Staubige Scheunen, verlassene Ställe und der Charme vergangener DDR-Landwirtschaft – in Brandenburg, nur eine Stunde von Berlin entfernt, verwandelt sich eine ehemalige LPG in eines der spannendsten Wohnprojekte Deutschlands. Der Hof Prädikow zeigt, wie aus historischer Bausubstanz ein lebendiges Dorfzentrum für das 21. Jahrhundert werden kann.
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ToggleWer den Hof Prädikow im malerischen Prötzel betritt, spürt sofort den Kontrast: Massive Feldsteinscheunen und barocke Fundamente treffen auf modernes Co-Working, Glasfaseranschluss und eine bunte Gemeinschaft von „Landeiern“ und Rückkehrern. Was einst als Rittergut begann und zur DDR-Zeit als Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) das Herz der regionalen Versorgung war, stand nach der Wende fast drei Jahrzehnte lang leer.
Ein Dorf im Dorf
Heute ist der Hof kein Ort des Verfalls mehr, sondern ein „Leuchtturmprojekt“ für den ländlichen Raum. Auf einer Fläche von rund zehn Hektar entsteht ein genossenschaftliches Quartier, das weit über reines Wohnen hinausgeht. Rund 60 Menschen leben bereits hier, perspektivisch sollen es bis zu 100 Bewohner aller Generationen werden.
Das Konzept ist radikal gemeinschaftlich: Die Stiftung trias sicherte den Boden, um ihn der Spekulation zu entziehen, während die Berliner Mietergenossenschaft SelbstBau eG das Gelände im Erbbaurecht entwickelt. Das Ziel: Bezahlbarer Wohnraum, der bleibt.
Mehr als nur Wohnen: Coworking, Kita und Kultur
Das Besondere am Hof Prädikow ist die konsequente Mischung dreier Lebensbereiche:
- Arbeiten: In der aufwendig sanierten „Dorfscheune“ ist ein moderner Co-Working-Space entstanden. Hier arbeiten IT-Spezialisten neben Handwerkern – ein Modell, das durch die Digitalisierung das Pendeln nach Berlin überflüssig macht.
- Generationen: Von der Kita für die Kleinsten bis hin zu barrierefreien Wohnungen für Senioren ist alles unter einem Dach (oder vielmehr unter 15 Dächern) vereint. Eine 85-jährige Bewohnerin gehört ebenso zur Gemeinschaft wie junge Familien.
- Gewerbe: Eine eigene Brauerei, eine Tischlerei und bald auch ein Hofladen beleben das Areal. Sogar eine Herde Zebu-Rinder hilft bei der Landschaftspflege auf dem Gelände.
Ein Modell für die Zukunft
Hof Prädikow wird oft als „Labor für das Land“ bezeichnet. Es zeigt, dass die riesigen, oft als Last empfundenen DDR-Bauten ein enormes Potenzial bieten. Anstatt sie abzureißen, werden sie hier denkmalgerecht saniert und als soziale Ankerpunkte für die gesamte Region genutzt. Die „Scheune Prädikow“ fungiert dabei als „Dorfwohnzimmer“ – ein Ort für Feste, Kinoabende und Workshops, der auch den Bewohnern der umliegenden Dörfer offensteht.
Zusammenfassung – Ein funktionierendes Dorf der Zukunft
Nahe der Märkischen Schweiz ist ein Ort entstanden, der zeigt, dass Gemeinschaft keine Utopie sein muss. Hof Prädikow verbindet die Nostalgie eines alten Gutshofs mit den Anforderungen einer modernen, vernetzten Arbeitswelt. Wer wissen will, wie das Dorf der Zukunft aussieht, findet in Brandenburg eine beeindruckende Antwort.
Titelbild (Symbolbild): Foto von Toa Heftiba auf Unsplash
Steckbrief: Hof Prädikow
Lage: Prötzel (Brandenburg), ca. 1 Std. östlich von Berlin.
Größe: 15 historische Gebäude auf 10 Hektar.
Trägerschaft: Stiftung trias & SelbstBau e.G.
Webseite: www.hof-praedikow.de
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