Rezension: Wie wir die Welt sehen von Ronja von Wurmb-Seibel

Manchmal reicht ein einziger Blick auf die Schlagzeilen am Morgen, um den Rest des Tages mit einem lähmenden Schweregefühl im Bauch zu verbringen. Wer täglich das Weltgeschehen verfolgt, verfällt fast zwangsläufig dem Eindruck, dass wir von einer Katastrophe in die nächste schlittern. Dass dieser Dauerstress im Kopf kein Ausnahmezustand ist, sondern das direkte Resultat unserer täglichen Medienauswahl, zeigt Ronja von Wurmb-Seibel in diesem mitreißenden Buch.

Die Journalistin, die selbst jahrelang als Korrespondentin aus Krisengebieten wie Kabul berichtete, hat ihren eigenen Medien-Burnout reflektiert und daraus eine treffsichere Analyse unseres Nachrichtenkonsums entwickelt. Ihr Befund ist extrem befreiend: Nicht die Welt an sich ist hoffnungslos, sondern die Art und Weise, wie uns Geschichten erzählt werden.

Was diese Lektüre so stark macht, ist die gelungene Mischung aus persönlicher Erfahrung, Neurowissenschaft und konkreten Lösungsansätzen. Von Wurmb-Seibel zeigt auf, wie das ständige Trommelfeuer aus Hiobsbotschaften unser Gehirn in eine Art „erlernte Hilflosigkeit“ versetzt.

Am Ende jedes Kapitels gibt die Autorin dem Lesenden „Experimente für Ihren Alltag“ an die Hand: Kleine Übungen, die uns befähigen sollen, genauer hinzuschauen und unsere Medienrezeption zu reflektieren.

Besonders einige Kerngedanken wirken wie eine Befreiung für die eigene Psyche:

„Was wir sehen, ist eine Auswahl von Ereignissen – getroffen nach Kriterien, die sich mit der Zeit eingeschlichen haben und die seither in beinahe unveränderter Form immer und immer wieder wiederholt werden!“

Ronja von Wurmb-Seibel: Wie wir die Welt sehen

Warum dieses Buch wichtig ist

Sicherlich greift es an manchen Stellen etwas kurz, den Medien die Hauptschuld an unserem Weltfrust zu geben, schließlich existieren reale, hochkomplexe Krisen unabhängig von ihrer Berichterstattung. Auch lässt sich konstruktiver Journalismus nicht auf jedes Thema wie eine Schablone auflegen, ohne Gefahr zu laufen, Zustände zu banalisieren.

Bemerkenswert ist dennoch, wie die Autorin immer wieder auf kluge Art unsere Selbstreflexion anregt. Zum Beispiel wenn sie schreibt:

„Wenn wir die immer gleichen Geschichten über ein Land, einen Menschen oder eine Gruppe von Menschen hören, bestimmt das mit der Zeit, wie wir über diese Menschen denken: Weil wir nicht gewohnt sind, ihre Perspektive zu sehen, fällt es uns schwer, uns in sie hineinzuversetzen. Es fällt uns schwerer zu erkennen, wie viel uns verbindet – wie viele Gefühle, Wünsche, Träume, Hoffnungen wie viel Angst und Schmerz. Anstatt zu sehen, wie viel wir gemeinsam haben, legen wir unseren Fokus auf das, was uns trennt.“

Somit ist „Wie wir die Welt sehen“ ein extrem wertvolles Buch zur mentalen Selbstverteidigung im digitalen Zeitalter. Es holt uns aus der passiven Ohnmacht heraus, schärft den Verstand und schenkt genau die Portion Zuversicht, die wir brauchen, um der Welt wieder aktiv und mutig zu begegnen.
Unbedingt lesenswert!

Dieser Beitrag wurde redaktionell geprüft. Teile des Textes wurden mit KI-Unterstützung formuliert.

Coverbild: © Kösel Verlag

Details zum Buch:

  • Titel: Wie wir die Welt sehen

  • Untertitel: Was negative Nachrichten mit unserem Denken machen und wie wir uns davon befreien

  • Autorin: Ronja von Wurmb-Seibel

  • Verlag: Kösel-Verlag

  • Erscheinungsdatum: 28. Februar 2022

  • Format: Paperback / Softcover

  • Seiten: 240 Seiten

  • ISBN-13: 978-3-466-34780-3

    ISBN-10: 3466347807

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