Der Solar Boom: Warum 2025 das Jahr war, in dem die Kohle verlor

Von wegen langsame Energiewende. Wenn wir auf das letzte Jahr zurückblicken, sehen wir keinen schleichenden Prozess mehr, sondern einen handfesten Umsturz. Weltweit, und gerade hier bei uns in Deutschland, hat die Solarenergie im Jahr 2025 Marken geknackt, die vor kurzem noch wie ferne Zukunftsmusik klangen.

Deutschlands Dächer im Solar-Fieber

Wer heute durch deutsche Wohngebiete spaziert, sieht es an fast jeder Ecke: Glitzernde Dächer, wohin man schaut. Was früher ein Statement von Öko-Pionieren war, ist 2026 zum Standard geworden. Deutschland hat im vergangenen Jahr einen Solar-Boom erlebt, der selbst die optimistischsten Prognosen der Bundesnetzagentur alt aussehen lässt. Mit einem Netto-Zubau von über 14 Gigawatt allein im Jahr 2025 haben wir die 100-Gigawatt-Marke an installierter Solarleistung förmlich überrannt.

Solar-Boom

Solar-Boom in Deutschland | Foto von Lara John auf Unsplash

Der historische Moment: Erneuerbare schlagen Kohle

Die eigentliche Nachricht ist globaler Natur und markiert eine Zäsur in der Geschichte der Industrialisierung. Zum ersten Mal wurde weltweit mehr Strom aus Sonne, Wind und Wasser erzeugt als aus Kohle. Der schmutzigste aller Energieträger wurde von seinem Thron gestoßen. Laut Daten des Thinktanks Ember stieg der Anteil der Erneuerbaren am globalen Strommix im ersten Halbjahr 2025 auf über 34 Prozent, während die Kohle auf rund 33 Prozent absackte. Ein knapper Sieg? Vielleicht. Aber ein symbolträchtiger.

In Deutschland ist der Abstand sogar noch deutlicher. Hier lieferten die Erneuerbaren 2025 fast 60 Prozent des öffentlichen Stroms. Besonders beeindruckend: Die Photovoltaik hat sich mit einer Erzeugung von rund 87 Terawattstunden (TWh) auf Platz zwei der wichtigsten Stromquellen vorgekämpft – direkt hinter der Windkraft, aber erstmals vor der Braunkohle.

Balkonkraftwerke und Bürgerstrom

Was diesen zweiten Solar-Boom in Deutschland so menschlich macht, ist die Tatsache, dass er von unten kommt. Es sind nicht nur die riesigen Solarparks auf dem flachen Land, die den Unterschied machen. Es sind die Hunderttausenden Steckersolargeräte, die sogenannten Balkonkraftwerke, die 2025 massenhaft in Betrieb gingen. Über 16 Terawattstunden Solarstrom wurden im letzten Jahr direkt vor Ort verbraucht, ohne jemals ein öffentliches Stromnetz zu sehen. Das ist Strom, den die Menschen selbst ernten, um ihre Waschmaschine oder ihr E-Auto zu füttern.

Die Schattenseite des Erfolgs

Solar-Boom_Dunkelflaute
Nur 15 Tage Dunkelflaute im Jahr | Foto von Endstarky auf Unsplash

Natürlich läuft nicht alles glatt. Während der Solar-Boom weltweit die Ausbau-Statistiken dominiert, kämpft die heimische Industrie ums Überleben. In Sachsen-Anhalt, dem einstigen „Solar Valley“, stehen viele Werkshallen leer. Wir bauen zwar so viel Photovoltaik wie nie zuvor, aber die Module kommen fast ausschließlich aus China. 

Der Grund für diese Schieflage ist eine Mischung aus politischer Kurzsichtigkeit und knallharter Marktlogik. Während Deutschland den weltweiten Solarmarkt Anfang der 2000er Jahre mit Fördergeldern überhaupt erst erschaffen hat, baute China mit massiven staatlichen Subventionen gigantische Fabriken auf. Asiatische Hersteller fluteten den Weltmarkt mit Dumpingpreisen und übernahmen nach und nach die komplette Lieferkette. Die deutsche Solarindustrie, einst Weltspitze, kollabierte ab 2012 unter diesem Preisdruck und fehlender politischer Rückendeckung fast vollständig – ein Verlust, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat.

Es ist das Paradoxon unserer Zeit: Wir retten das Klima mit Technik, die wir im eigenen Land kaum noch herstellen können.

Aus Fehlern lernen: Der Weg aus der asiatischen Abhängigkeit

Doch die Resignation weicht 2026 einem neuen Pragmatismus: Europa hat verstanden, dass es sich aus dieser Abhängigkeit befreien muss. Neue EU-Regelungen belohnen endlich wieder heimische Produktion. Gleichzeitig tüfteln europäische Start-ups und Forschungsinstitute längst an der nächsten technologischen Revolution: etwa hocheffizienten Perowskit-Tandemzellen, die deutlich mehr Strom aus dem gleichen Sonnenlicht holen als die asiatischen Standardmodule.

Wenn man bedenkt, dass sogenannte Dunkelflauten laut aktuellen Daten im Schnitt nur an rund 15 Tagen im Jahr auftreten, liefern Sonne und Wind an den restlichen 350 Tagen zuverlässig die Basis unserer Stromversorgung. Das alte Schreckgespenst des dauerhaften Blackouts verliert damit immer mehr an Kraft. 

Dieser Beitrag wurde redaktionell geprüft. Teile des Textes wurden mit KI-Unterstützung formuliert.

Quellen:

  • Beitragsbild: Foto von Dad hotel auf Unsplash
  • Bundesnetzagentur (2026): Marktstammdatenregister – Statistiken zum Zubau von Photovoltaikanlagen. Online abrufbar

  • Ember Energy (2025/2026): Global Electricity Review – Renewables overtake Coal globally. Online abrufbar

  • Fraunhofer ISE / Energy Charts (2025/2026): Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland. Online abrufbar

  • Golem.de (Januar 2026): Dunkelflaute: Etwa zwei Wochen wenig Wind und Sonne pro Jahr. Online abrufbar

  • Fraunhofer ISE (Januar 2026): Öffentliche Stromerzeugung 2025: Wind und Solar erstmals als Doppelspitze. Online abrufbar

  • Europäischer Rat (Mai 2024): Industrial policy: Council gives final approval to the Net-Zero Industry Act. Online abrufbar

  • ingenieur.de: Bestandsaufnahme: Wie tot ist die deutsche Solarindustrie? Online abrufbar

  • photovoltaik.eu: 25 Jahre EEG: Ein Gesetz, das Geschichte schrieb. Online abrufbar

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